Liebe Leute,
am Donnerstag den 13. September berĂ€t das Direktorium ĂŒber die Streichung der Deppe-Stelle. Diejenigen, die die Streichung verhindern wollen, treffen sich am Donnerstag um 10:30 Uhr in BĂŒro (C913), Phil-FAk, um im Anschluss um 11:00 ins Direktorium zu gehen. Bitte kommt alle!
Liebe GrĂŒĂe
B.
anbei der Flyer der linken Gruppen:
Marx raus aus der Uni? Zur Kritik der aktuellen Entwicklungen in der Politikwissenschaft
Am 13.09.2007 um 11.00 Uhr berĂ€t das Direktorium des Instituts fĂŒr Politikwissenschaft die aktuellen StrukturĂŒberlegungen des PrĂ€sidiums zur Neuausrichtung des Instituts und wird diese voraussichtlich absegnen â mit fatalen Folgen fĂŒr die Situation der Studierenden. Mit der Streichung der letzten Professur, die noch in der spezifischen kritischen Wissenschaftstradition in Nachfolge Wolfgang Abendroths stand, wird der vielfach gepriesene Wissenschaftspluralismus abgeschafft. Die schon jetzt ĂŒber die MaĂen verschlechterten Bedingungen in Lehre, Betreuung, aber auch Forschung werden zusĂ€tzlich verschĂ€rft. Vor dem Hintergrund, dass mit Dieter Plehwe bereits ein geeigneter Kandidat fĂŒr die Nachfolge Frank Deppes gefunden wurde, ist der Vorschlag des PrĂ€sidiums diese Stelle nunmehr zu streichen besonders skandalös und legt es nahe, die Entscheidung als politisch motiviert zu begreifen.
I.
Mit der Streichung der letzten Professur die noch in der direkten Tradition von Wolfgang Abendroth steht, soll das kritische Profil des Instituts nunmehr nahezu endgĂŒltig geschliffen werden. Innerhalb von etwa drei Jahren wurde durch die sukzessive Umwidmung und Streichung sĂ€mtlicher Stellen, die diese Tradition weiterfĂŒhrten, eine radikale Schwerpunktverschiebung durchgesetzt. So wurde die Professur fĂŒr Faschismusforschung durch den Schwerpunkt der âPolitischen Theorieâ ersetzt. Im Ausgleich dazu sollte die Faschismusforschung, so wurde versichert, mit der Nachfolge Georg FĂŒlberths abgedeckt werden. Ausgeschrieben wurde jedoch ein Kompromiss aus Rechtsextremismusforschung und Fachdidaktik. Im Folgenden fĂŒhrte dann eine massive Lobbyarbeit einiger Mitglieder des Instituts beim PrĂ€sidium zu einer Berufung gegen die Entscheidung der Kommission und den Frauenförderplan. Obwohl die Stelle schlieĂlich qualitativ durchaus angemessen besetzt wurde, bleibt der Eindruck, dass bewusst gegen den institutsinternen Kompromiss, die KĂŒhnl-Tradition wenigstens partiell fortzufĂŒhren, interveniert wurde. Auch die Ablehnung des Antrags von Dieter Boris auf VerlĂ€ngerung seiner Professur muss in diesem Kontext gesehen werden. SchlieĂlich wurden mit der Neuausschreibung der Professur in der Nachfolge von Dieter Boris sĂ€mtliche Hinweise auf den Schwerpunkt der historisch- kritischen Lateinamerika-Forschung entfernt.
Somit wĂ€re die Abschaffung der Deppe-Stelle das gelungene Finale in der Beseitigung des kritischen Profils der Marburger Politikwissenschaft in direkter Tradition Wolfgang Abendroths. Ein kritisches Profil ist nunmehr ausschlieĂlich durch den Schwerpunkt der feministischen Politikwissenschaft gegeben.
Selbst aus der (standortlogischen) Argumentation des PrĂ€sidiums heraus ist dieser Schritt unmöglich nachzuvollziehen. Statt das kritische Profil zu schĂ€rfen und so der Konkurrenz um Studierende durch Konzentration auf die gewachsenen Kompetenzen zu begegnen, wird die Chance die in dem (inter-)nationalen Renommee der Marburger Politikwissenschaft liegt nicht genutzt. Im Ăbrigen wird eine solche Nischenstrategie von anderen UniversitĂ€ten in weitaus kompetitiveren âMĂ€rktenâ sehr erfolgreich angewandt, wie neben vielen anderen das Beispiel der UniversitĂ€t Leeds zeigt. Vor dem Hintergrund der deutlich unterdurchschnittlichen Ausstattung der Institut insgesamt, der geringen AttraktivitĂ€t eines ProvinzstĂ€dtchens wie Marburg und nicht zuletzt der kaum vorhandenen Diskussions-, Streit- und Kooperationskultur innerhalb des Instituts geschweige denn zwischen verschiedenen Instituten ist davon auszugehen, dass ein politikwissenschaftliches âMainstreamingâ geradezu zwangslĂ€ufig zum Scheitern verurteilt ist.
II.
Der Verlust einer Professur wird die schon jetzt untragbare Betreuungssituation der Studierenden weiter verschlechtern. Auch eine vermehrte Anstellung von HilfskrÀften mit Abschluss (von unbezahlten TÀtigkeiten ganz zu schweigen) kann hier keine Abhilfe schaffen. Es ist insbesondere das langjÀhrige, bestÀndige Vertrauens- und ArbeitsverhÀltnis zwischen Lehrkraft und Studierenden, die ein erfolgreiches Studium ausmacht. Kurzzeitanstellungen sind dazu keine Alternative.
Insbesondere die Verluste der erfolgreichen und von der Deppe- Professur getragenen ArbeitszusammenhĂ€nge (Forschungsgruppe EuropĂ€ische Integration (FEI); Marxistischer Arbeitskreis (MAK); und diverse DoktorandInnenzusammenhĂ€nge (etwa Studiengruppe EuropĂ€ische Integration; STEI)) werden sich in allen Stadien des Studiums bzw. der wissenschaftlichen Qualifikation fĂŒr die Studierenden/ Promovierenden extrem negativ auswirken.
DarĂŒber hinaus wurde gerade der Schwerpunkt der EU-Forschung durch die Etablierung des Master-Studiengangs âEuropean Integrationâ zu Recht weiter gestĂ€rkt. Das Lehrangebot weiter aufrecht zu erhalten wĂŒrde jedoch alleine durch eine Juniorprofessur nicht gewĂ€hrleistet werden können. Der Vorschlag des PrĂ€sidiums stellt damit eine wesentliche Bedrohung eines bereits angelaufenen Studiengangs und der darin eingeschriebenen Studierenden dar.
III.
Die Entscheidung des PrĂ€sidiums, die Nachfolge fĂŒr Prof. Schiller neu auszuschreiben und die Deppe-Professur zu streichen, ist nicht nachvollziehbar. Zum einen sind Schillers Schwerpunkte das Politische System der BRD und Demokratietheorien bereits durch zwei andere Professuren abgedeckt. Zum anderen steht im Gegensatz zum Fall Schiller mit Dieter Plehwe ein Kandidat fĂŒr den Lehrstuhl von Frank Deppe zu VerfĂŒgung. Zwar wĂ€re eine Wiederbesetzung aller offenen Stellen dringend nötig, jedoch sprechen im ungĂŒnstigen Fall einer ânotwendigenâ Streichung alle Argumente fĂŒr einen Erhalt der Deppe- Stelle.
Die Anmerkung des PrĂ€sidiums, dass Dieter Plehwe nicht qualifiziert sei, entbehrt jeder Grundlage. Die Berufungskommission hat die wissenschaftliche Qualifikation von Plehwe im Rahmen des Bewerbungsverfahrens ausfĂŒhrlich bewertet und unmissverstĂ€ndlich klar gestellt, dass er berufungsfĂ€hig ist. Unter dem Strich bescheinigt die Entscheidung des PrĂ€sidiums somit den Mitgliedern der Berufungskommission und des Fachbereichrates Inkompetenz auf ihrem eigenen wissenschaftlichen Gebiet. Dass das PrĂ€sidium, ohne fundierte Kenntnis der Anforderungen der Stelle und ohne das Wissen aus dem Bewerbungsverfahren, zu seiner ablehnenden Haltung kommt, lĂ€sst nur den Schluss zu, dass es sich um eine politisch motivierte Entscheidung handelt. Nicht umsonst ist die inhaltliche Ausgestaltung eindeutig Aufgabe des Institutes.